Vater

Vater





Vater unser, der du nicht mehr bei uns bist,
Schon so lange weg, dass man dich fast vergisst.
Du hast mir wirklich nicht viel hinterlassen,
Aber manches davon muss ich einfach hassen.

Du gingst von uns, als ich Kind war,
Deine Rolle für mich war da noch nicht klar.
Du liebtest mich bestimmt auf deine Art,
Doch hast du mich nie vor dir selbst bewahrt.

Heute bin ich selber ein Vater geworden,
Bevor du's für mich warst, bist du gestorben.
Ich habe es nicht von dir gezeigt bekommen
Und hab trotzdem zu viel von dir übernommen.

Ich will meinen Kindern ein guter Vater sein.
Will all ihre Sorgen ersticken im Keim.
Doch fehlt mir das Vorbild, um es richtig zu machen.
Ich erinnere mich nicht einmal an dein Lachen.

Meine Erinnerungen an dich sind Zank und Streit,
Auch körperlich gingst du viel zu oft zu weit.
Wenn ich heute mit meinen Kindern streite,
Merke ich, wie ich in deine Haut rein gleite.

Doch da fühle ich mich nicht wohl,
Suche in mir verzweifelt den Gegenpol.
Ich weiß, ich kann es besser machen.
Meine Kinder erinnern sich bestimmt an mein Lachen.



Für meinen Vater, der es nicht besser wusste.



© Thorsten Trautmann

Rheine, 24.09.2009

© Thorsten Trautmann 2012