Der Fremde

Der Fremde


Das Mädchen spielte allein im Garten,
Es sollte auf die Eltern warten.
Die waren nämlich zum Einkaufen gefahren,
Das Mädchen wollt' sich das ersparen.

Und wie es da im Sand alleine saß,
Kam ein Mann über's feuchte Gras,
Den es noch nie gesehen zuvor
Und durchschritt das Gartentor.

Der Mann sah eigentlich sehr nett aus.
Er sagte zu ihm: „Ich bin der Klaus.“.
Er lächelte sie dabei freundlich an,
Wie man es nicht freundlicher machen kann.

Das Mädchen sagte: „Ich heiße Paula.“,
Und Klaus war jetzt schon ziemlich nah.
„Und wie alt bist du?“, fragte er und hockte sich hin,
„Weil ich auf der Suche nach einer Freundin bin.“.

Paula schaute Klaus neugierig an,
Er war bestimmt ein netter Mann.
Sie sagte: „Seit letzter Woche bin ich vier
Und ich bin ganz alleine hier.“.

„Oh so groß schon!“, lachte Klaus
Und zog ein Bonbon aus der Tasche heraus.
„Ich habe nämlich ein Kaninchen zu Hause bei mir
Und wenn du mitkommst, dann schenke ich es dir!“.

Paula's Augen wurden groß.
Sie kletterte schnell auf Klaus' Schoß.
Ein Mann, der Kaninchen verschenkte, war
Ganz bestimmt nicht böse, soviel war klar!

Paula sagte: „Aber ich darf doch nicht weg,
Sonst bekommen meine Eltern einen riesigen Schreck!“.
Klaus lachte nur und sagte schlicht:
„Wir sind so schnell wieder da, das merken die nicht.“.

So standen die beiden dann auch auf,
Klaus meinte: „Ich bin so froh, dass ich dir ein Eis kauf'“.
Paula befreite sich von Sand
Und folgte Klaus brav an der Hand.

Als sie den Garten verlassen wollten,
Sahen sie ein Auto, das an den Straßenrand rollte.
Die Eltern kamen vom Einkaufen Heim
Und parkten gerade am Bordstein ein.

Paula's Papa erblickte die beiden sofort,
Klaus zog Paula immer schneller fort.
Doch Papa ist ein großer Mann,
Der zum Glück schnell laufen kann.

Als Klaus merkte, dass Papa hinter ihnen her lief
Und Mama laut nach Hilfe rief,
Ließ er Paula's Hand, die er bis dahin gepackt,
Einfach los und haute schnell ab.

Paula verstand gar nicht, wie ihr geschah.
Auf einmal war ihr Papa da.
Er nahm sie fest in seinen Arm
Und drückte sie so weich und warm.

Mama kam dazu mit Tränen im Gesicht,
Warum Mama weinte, wusste Paula nicht.
Erst als sie ihr erklärten in welcher Gefahr sie schwebte,
Bekam sie so Angst, dass ihr Körper bebte.

Aber Klaus hatte doch so nett ausgesehen.
Es fiel Paula schwer, langsam zu verstehen,
Dass böse Menschen manchmal nett ausschauen.
Deshalb darf man keinem Fremden trauen.

© Thorsten Trautmann

Rheine, 09.10.2011

© Thorsten Trautmann 2012