Das Böse

Das Böse



Ich bin das Böse, leiht mir euer Ohr,
Als ich zur Erde kam, fand ich den Menschen vor,
Seit dem ernähre ich mich von ihm,
Weil er mir als bester Nährboden erschien.

Ich lenke ihn, wenn er seine Kinder schlägt,
Ermutige ihn, wenn er den Selbstmord erwägt,
Ich flöße ihm neue Foltermethoden ein,
Will für immer sein Begleiter sein.

Ich brachte ihm die Not und den Krieg,
Führte ihm die Hand als er „Mein Kampf“ schrieb,
Ich lasse ihn den Hunger anderer ertragen
Und bei Gewalt nicht nach den Ursachen fragen.

Ich wohne in der Flasche, aus der er sich betrinkt,
Bin der Sumpf, in dem er hilflos versinkt,
Ich verstärke den Hass, der in ihm ruht,
Bin die johlende Menge, die den Verlierer ausbuht.

Ich sitze am Steuer, wenn er betrunken fährt,
Lasse den anderen sterben und ihn unversehrt,
Solange sich auf der Welt die Menschen sich hassen,
Werde ich sie ganz bestimmt nicht verlassen!

© Thorsten Trautmann

Rheine, 05.12.2010

© Thorsten Trautmann 2012