Blaulichtflackern

Blaulichtflackern



Ich stehe in der Kälte an der Haltestelle herum,
Es wird schon dunkel und ich schaue mich um.
Das Licht der Laternen schafft Inseln auf dem Pflaster,
Ich warte auf den Bus, doch es kommt nur ein Laster.

Während ich da so alleine stehe,
Merke ich, dass ich einen Jungen ansehe,
Der auf der anderen Seite mit seinen Freunden rumhängt
Und mir sofort seine Aufmerksamkeit schenkt.

Ein paar Meter entfernt steht ein Junges Paar,
Es blickt ängstlich auf die kleine Schar,
Die jetzt über die Straße geht,
Auf den älteren Mann zu, der da einsam steht.

Ich sehe die Jungs irritiert herannahen,
Warum bleiben sie nicht dort, wo sie gerade waren?
Schon haben sie mich frech umringt,
Was mich schon ein Wenig aus der Fassung bringt.

Der Junge, den ich versehentlich ansah,
Ist wohl der Chef, das wird mir klar.
Er pöbelt mich an, ich verstehe ihn kaum,
Das Pärchen rückt langsam unter einen Baum.

Die Worte der Jungs prasseln auf mich ein,
Ich zieh die Schultern ein und mache mich klein.
Ich murmle eine leise Entschuldigung,
Da schubst mich einer der Rowdies um.

Ich rolle mich zusammen, halte die Arme vor mein Gesicht,
Ich rufe laut nach Gnade, doch bekomme sie nicht.
Ich spüre die Tritte von unzähligen Füßen,
Bin mir keiner Schuld bewusst und muss trotzdem büßen.

Während die Angreifer über mir stehen,
Kann ich so viele Menschen durch ihre Beine sehen,
Die eilig diesen Ort verlassen,
Ich bin nur enttäuscht, kann sie nicht hassen.

Mittlerweile fühle ich keine Schmerzen mehr,
Die Demütigung schmerzt da viel mehr.
Die Autos fahren an uns vorüber,
Nur ein Mann steht auf dem Gehweg gegenüber.

Irgendwie wird es immer kälter um mich,
Die Dunkelheit wird dunkler als die Nacht an sich.
Ich hoffe immer noch auf der Sirenen Klang,
Ich will nur dass es endet, bin nicht mehr bang.

Auf der anderen Seite steht jetzt eine Menschenmenge,
Während ich hier nicht mehr an meinem Leben hänge.
Das letzte, was ich sehe bevor mein Blick endgültig bricht,
Ist das entfernte Flackern von einem Blaulicht.

© Thorsten Trautmann

Rheine, 22.10.2011

© Thorsten Trautmann 2012