Der Polizist

Der Polizist



Er kommt und sagt, dass er dir helfen will.
Dabei tritt er sehr freundlich auf.
Du akzeptierst die Hilfe freudig still,
Denn Hilfe gibt es nicht zuhauf.

Er schmeichelt sich durch dein Misstrauen,
Schließlich ist er ja von der Polizei.
Will nur bei dir nach dem Rechten schauen,
Ob auch alles so wie's sein soll sei.

Er spricht dich stets mit Namen an,
Telefoniert geschäftig mit Kollegen.
Er ist ein kompetenter Mann,
Willst dich nicht mit der Staatsmacht anlegen.

Dein Leben war schon ziemlich lang,
Hast niemandem ein Leid zugefügt.
Er sieht sich dein Geschmeide an,
Ob ihm die Sicherung auch genügt.

Dann nimmt er deinen Schmuck gleich mit.
Er muss ihn fotografieren.
Deine alten Augen folgen seinem Schritt,
Er hatte so gute Manieren.

Dann wartest du so viele Stunden,
Der Zweifel wird jetzt erst wach.
Kaum bist du mit der Polizei verbunden,
Lässt das Vertrauen in ihn nach.

Dort kennt man diesen Herrn gar nicht,
Er war nicht der, der er vorgab zu sein.
Während deine Welt jetzt jäh zerbricht,
Ist die Chance ihn zu schnappen eher klein.

So ging es dir wie schon so vielen,
Die am Abend des Lebens stehen.
Andere kommen mit unlauteren Zielen,
Wollen mit deiner Habe gehen.

Vertrauen ist gut, doch Kontrolle ist Pflicht,
Sonst nimmt man dir das letzte Hemd.
Vertraue nie der ersten Sicht,
Weil ein Betrüger gar kein Mitleid kennt.

Geschrieben, weil ich gestern eine Anzeige wegen eines Trickdiebstahls bei einer 87-jährigen aufnehmen musste. Passt auf, liebe Senioren!

© Thorsten Trautmann

Rheine, 26.05.2010

© Thorsten Trautmann 2012