Die Entführung

Die Entführung



Sie meldet sich bei der Polizei,
Weil sie doch so verzweifelt sei.
Ein fremder Mann nahm ihr das Kind
Und sie weiß nicht, wo die jetzt sind.

Wir eilen ihr zur Seite zu stehen,
Um nach dem fiesen Mann zu sehen,
Der sie hat ihrer Tochter beraubt,
Denn bisher hat man ihr geglaubt.

Dann stellt sich raus, sie ist schon alt,
Hat ihre Sinne nicht in der Gewalt.
Der Unhold ist schon lange tot,
Verursacht lang schon keine Not.

Auch kann sie leider gar nicht sagen,
Da helfen auch nicht tausend Fragen,
Welche Tochter sie denn nun vermisst,
Was für uns ziemlich schwierig ist.

Wir reden wie mit Engelszungen,
Doch ein Erfolg ist nicht gelungen.
Der Mann, der mal ihr Gatte war,
Ist lange tot, keine Gefahr.

Doch konnt' er auch die Tochter nicht holen,
Hat sie gezeugt, doch nicht gestohlen.
Doch sieht sie das partout nicht ein,
Muss wohl ein anderer Mann gewesen sein.

So drehen wir uns dann nur im Kreis,
Das einzige, was man sicher weiß,
Ist dass dieser Frau geholfen werden muss,
Denn sonst ist für sie niemals Schluss.

So telefonieren wir uns wunde Ohren,
Haben ihre Töchter auserkoren
Hier hilfreich der Mutter Herz zu erweichen,
Doch keine ist so recht zu erreichen.

Also weiter stöbern in ihren Sachen,
Dabei mit ihr reden und auch lachen,
Bis wieder eine Nummer fällt
Und diese dann auch flugs gewählt.

Endlich jemand, der sie kennt,
Wenn er sich Pflegedienst auch nennt.
Die Dame kommt sofort, ist richtig nett,
Die Kollegen holen die Tochter aus dem Bett.

Gemeinsam machen wir ihr klar,
Dass alles nur ein Alptraum war.
Jetzt können wir wohl endlich gehen,
Woanders nach dem Rechten sehen.

Dieser Einsatz war noch viel komplizierter und langwieriger, als er hier erscheinen mag.

(c) Thorsten Trautmann

Münster, Rheine, Münster, 13.12.2010

© Thorsten Trautmann 2012