Ein Teil von mir

Ein Teil von mir



Ich stehe vor einer fremden Tür,
Ich war vorher noch niemals hier.
Und doch fühle ich mich hier unangenehm berührt.
Wohin mich diese Tür wohl führt?

Der Anruf ließ nichts Gutes ahnen.
Wir rasten her, mit fliegenden Fahnen.
Jetzt stehen wir in diesem Flur.
Was erwartet uns hinter der Türe nur?

Du wolltest aus dem Leben scheiden,
Nicht mehr am Lebenswillen leiden.
Kam der Anruf noch zur rechten Zeit?
Oder finden wir dich im Totenkleid?

Die Tür ist jetzt doch endlich auf,
Das Verhängnis nimmt nun seinen Lauf.
Wir schauen zaghaft wo du bist
Und hoffen, dass es nicht zu spät ist.

Da liegst du starr, ohne Luft zu holen.
Hast dich aus diesem Leben gestohlen.
Neben dir liegen noch zwei Tabletten,
Daneben der Aschenbecher mit gerauchten Zigaretten.

Die Flasche auf dem Nachttisch zeugt von deinem Willen,
Den Todesdrang jetzt endlich zu stillen.
Ich weiß nicht was dich dazu brachte,
Nicht einmal mehr was ich dabei dachte.

Der Arzt bemüht sich noch um dein Leben,
Doch du hast es längst schon aufgegeben.
Wir stehen daneben und können nichts tun,
Während meine Blicke auf deinem Abschiedsbrief ruh'n.

Jetzt wo du nicht mehr im Leben bist,
Ist es seltsam wie intim dieser Einblick ist,
In dein Leben, das dich nie gewollt zu haben scheint
Und um das hier niemand eine Träne weint.

So sollte niemals ein Leben enden.
Nie sollten sich alle Blicke abwenden.
Niemand sollte selbst im Tod so einsam sein.
Mein Mitgefühl ist jetzt ganz dein.

Wer hat nicht genug auf dich geachtet?
Wer hat alle Zeichen missachtet?
War überhaupt jemand für dich da?
Oder gab es niemanden, der nach dir sah?

Während der Arzt sein Mühen enttäuscht einstellt,
Sehe ich mich um in deiner Welt.
Bald gibt es hier keine Spuren mehr von dir.
Aber dein Andenken ist nun ein Teil von mir.

© Thorsten Trautmann

Rheine, 04.08.2010

© Thorsten Trautmann 2012