Und täglich grüßt...

Und täglich grüßt...



„Nein, ich bin das nicht gewesen!
Das Schild kann man doch gar nicht lesen.
Die anderen machen doch viel mehr falsch als ich.
Der Baum stand noch nicht da, als ich auswich.

Haben sie denn eigentlich nichts Besseres zu tun,
Wo sie sich doch sonst auch nur auf der Wache schön ausruh'n?
Neulich brauchte ich sie mal bei mir Zu Haus,
Doch wie immer kamen sie da natürlich nicht für raus!

Nein, ich habe den anderen ganz bestimmt nicht geschlagen!
Nein, ich habe keine Päckchen Drogen in meinem Magen!
Nein, ich weiß gar nicht, wie man ein Auto knackt
Und verstehe nicht warum ihr mich jetzt packt.

Nein, ich habe in meinem Leben nie geklaut!
Wenn ihr etwas findet habt ihr eine Falle gebaut.
Ich habe auch noch nie vor Gericht gelogen.
Alle Beweise wurden mir nur untergeschoben.

In meiner Kindheit wurde ich sehr viel geschlagen,
Weil meine Eltern mich nie gern gehabt haben.
An all meinen Problemen sind meine Lehrer Schuld,
Denn sie hatten mit mir niemals genug Geduld.

Nein, ich habe diesen Unfall nicht verursacht.
Ich hatte den Motor aus und plötzlich hat's gekracht.
Zwar haben Zeugen mich in das Auto krachen sehen.
Wer konnte ahnen, dass die hier so dumm rumstehen?

Ich habe ein Recht darauf, einmal im Monat Party zu machen.
Da stört es mich wohl kaum, vergeht den Nachbarn da das Lachen.
Ist mir egal, dass das Gesetz etwas anderes sagt
Der Nachbar ist im Unrecht, wenn er mich gleich verklagt.

Nein, ich kümmere mich nicht um meine eigenen Sachen.
Schließlich kann der Staat ja auch was für mich machen.
Was soll das heißen: Der Notruf ist keine Sorgen-Hotline?
Bei den hohen Steuern muss das doch wohl gleich inklusive sein!

Warum sind meine Problem nicht wichtiger, als die aller anderen?
Und überhaupt: Was scheren die anderen mich denn?
Ich habe immer Recht, denn ich zahle Steuern.
Machst du den Job nicht wie ich will, werd' ich dich einfach feuern!







Wissen sie denn eigentlich, mit wem sie hier gerade reden?
Ahnen sie denn nicht, dass sie die Karriere hier aufgeben?
Ich kenne ihren Chef, der kegelt nämlich mit meinem.
An ihrer Stelle, würde ich mich jetzt einschleimen.

Es ist mir ganz egal, dass das nicht ihre Aufgabe ist!
Es ist doch nicht so schlimm, wenn man den Gurt einmal vergisst!
Das machst du doch nur weil ich ein schwarzer Mann!“
Das sind die Sprüche, die ich nicht mehr hören kann!

© Thorsten Trautmann

Rheine, Emsdetten, Greven, Münster 09.07.2010

© Thorsten Trautmann 2012