Amok

Amok

Er wurde geboren,
Blieb nicht ungeschoren,
Das Leben anderer rächte sich.
Er wuchs in Angst auf,
Ging oft schon fast drauf.
Wünschte es sich auch sicherlich.

Sein Lehrer sagte ihm,
Wenn er in der Schule erschien:
„Du bist hier nicht ganz richtig, du bist nicht schlau genug!“
„Junge, mach dir nichts vor, das ist Selbstbetrug!“
Das hat er den Menschen, niemals wirklich verziehen.

Er brach die Schule ab,
Hielt das Jugendamt auf Trab,
Keiner fühlte sich zuständig.
Er Traf andere wie sich,
Mit denen er umher schlich,
Mit Gewalt lebendig.

Sein Sozialarbeiter sprach,
Nach haufenweise Ungemach:
„Was soll bloß aus dir werden, du bist ja kriminell!“
„Ändere dich, aber bitte ganz schnell!“
Auch das trug er der Menschheit dann nach.

Richtige Freunde hatte er nicht,
Sein Gemüt war zu schlicht.
Alle hielten sich von ihm fern.
Er wurde sehr still
Und grübelte viel.
Nur sein Computerleben hatte er noch gern.

Seine Mutter schimpfte sehr,
Machte sein Leben schwer:
„Du bist ein unnützer Junge, wann wachst du endlich auf?“
„Glaubst du, dass ich weiter deine Ballerspiele kauf?“
Und er dachte endlich: „Es wird Zeit, dass ich mich wehr'“.

Er plante minutiös,
wie er das Problem löst.
Alle sollte für sein Leben büßen.
Er besorgte sich Waffen,
Das war leicht zu schaffen.
Manche treten das Gesetz mit Füßen.

Der Hausmeister schrie ihn an,
Als er sein Vorhaben begann:
„Was machst du denn hier, scher dich einfach nur weg!“
„Du hast hier nichts zu suchen, du bist doch nur Dreck!“
Ihn schoss er dann als Ersten an.

Er zielte genau,
Egal ob Mann oder Frau,
Selbst Kinder verschonte er nicht.
Er wütete in Hass,
Es machte ihm richtig Spaß.
Die ganze Zeit ein Grinsen im Gesicht.

Der Polizist rief,
Als er in seine Schussbahn lief:
„Lass die Waffe einfach fallen und bewege dich nicht!“
„Leg dich flach auf den Boden und auf dein Gesicht!“
Er zielte auf den Polizisten und grinste nur schief.

Als der Rauch langsam verschwand,
Da fand man sein Band.
Er hatte seinen Hass aufgenommen.
Die Nachbarn waren entsetzt,
Die Familie verletzt.
Die Erinnerung an ihn war verschwommen.

Die Presse schrie auf,
Bot sein Leben zum Verkauf:
„Wie konnte das geschehen, wer hat hier die Schuld?“
„Hatten vielleicht die Eltern zu viel Geduld?“
Aber diese Rechnung geht nicht auf.

Jeder kennt sein Gesicht,
Die seiner Opfer kennt man nicht.
Für manchen wurde er sogar zum Helden.
Kurze Zeit wurde diskutiert,
Ob die Waffenlobby verliert,
Doch die Menschlichkeit hat nichts zu melden.

Der Experte erklärte,
Dass er sich dagegen wehrte:
„Man darf nicht verallgemeinern, man muss differenzieren!“
„Egal was wir tun, etwas so Schlimmes kann immer passieren!“
Da nutzt auch keine gesetzliche Härte.

So lange wir es nicht verstehen,
Auch auf die Außenseiter zu sehen,
Werden wir die Zeichen nie erkennen.
Lassen wir Menschen im Stich,
Rächt sich das dann sicherlich.
Dann werden unsere Schulen weiter brennen.

© Thorsten Trautmann

Bad Pyrmont, 15.12.2009

© Thorsten Trautmann 2012