Die "Richtigen"

Die „Richtigen“







Du bist dein Leben lang immer nur der Depp gewesen.
Du hast andere angeschaut, die anderen haben viel gelesen.
Dir ist schon früh aufgefallen, dass es da „Andere“ gibt.
Doch erst die „richtigen“ Freunde haben deine Gedanken gesiebt.

Keiner wollte mit dir spielen, du warst meistens nur allein.
Außer den „Richtigen“ wollte keiner dein Freund sein.
Sie gaben dir einen Ort, an dem du dich willkommen gefühlt hast.
Hier bereiteten sie dich vor, auf deine Zukunft später im Knast.

Sie gaben dir zu lesen und es brannte sich in dein Hirn.
Seitdem kocht der Hass direkt hinter deiner Stirn.
Die Gesellschaft gab dir nichts, jetzt zahlst du's ihr alles heim.
Bei den „Richtigen“ kannst du endlich jemand sein.

Sie schenkten dir schon auf dem Schulhof ihre Musik.
Dich reizte das Andere, wegen der vielen bitteren Kritik.
Bei den „Richtigen“ musst du nicht selber denken, die übernehmen das für dich.
Und eines weist du ganz genau, die lassen dich niemals im Stich.

Bei den „Richtigen“ kannst du sagen, was du von den Fremden hältst.
Und seit du bei ihnen bist, weist du auch ganz genau was du wählst.
Sie geben dir das Gefühl, ein Teil von etwas Großem zu sein.
Zu Hause interessierte sich für dich und deine Meinung eigentlich kein Schwein.

Wenn dich jemand nach deine Gründen fragt, betest du ihre Gedanken herunter.
Und wenn er dann etwas dagegen sagt, werden deine Fäuste munter.
Alleine fühlst du dich nicht wohl, du bist ein echtes Herdentier.
Du stehst voll hinter den „Richtigen“ und die stehen voll hinter dir.

Dir ist egal, was die Bücher sagen, die werden von Fremdenfreunden geschrieben.
Du könntest niemals einen Fremden akzeptieren oder gar lieben.
Die „Richtigen“ haben dir gesagt, dass die Vergangenheit Lüge ist.
Das hast du ihnen gerne geglaubt, weil du ein guter „Richtiger“ bist.

All das Gräuel von früher kann dich doch nicht berühren.
All die Lehrer oder Richter können dich nicht zur Untreue verführen.
Alles was du nicht wahrhaben willst, wird von deinen Stiefeln zertreten.
Du fühlst dich erst so richtig stark, wenn die Opfer um Gnade beten.

Doch eines Tages wirst auch du es begreifen, wahrscheinlich ist es dann zu spät,
Dass es im Leben nicht nur um Treue und Ehre geht.
Hass auf Fremde hat auch nichts zu tun mit Ehre.
Die Treue zu den „Richtigen“ wird dann zur bitteren Lehre.

Irgendwann brauchst du die Menschen, die du gepeinigt hast,
Irgendwann wird dir dein Gedankengut zur Last.
Irgendwann bist du dir vielleicht doch auf einmal im Klaren,
Dass die vermeintlich „Richtigen“ vielleicht doch nicht gut für dich waren.

© Thorsten Trautmann

Rheine, 13.10.2009

© Thorsten Trautmann 2012