Kindheit

Kindheit



Früher spielten wir im Wald,
Egal ob warm oder auch kalt.
Die Welt war unser Abenteuerspielplatz,
Der beste Freund der größte Schatz.

Unser Spielzeug war die Phantasie,
Gelangweilt haben wir uns fast nie.
Erst mit der Dunkelheit kamen wir heim,
Durften einfach Kinder sein.

Die Schule war für uns ein Muss,
Wir schämten uns für Mamas Kuss.
Wir glaubten nicht, was unsere Eltern sagten,
Trotzdem nicht zu widersprechen wagten.

Wir freuten uns über die einfachen Sachen,
Mussten unbeliebte Dinge machen.
Der größte Wunsch blieb oft unerfüllt,
Der größte Traum stets gut verhüllt.

Heute sieht das etwas anders aus,
Kinder sind schnell aus der Kindheit raus.
Sie berauben sich selbst der schönen Zeit,
Weil sie denken, sie sind ach so weit.

Der Spielplatz ist heute das Internet,
Der Fernseher steht gleich am Bett.
Unterwegs da dröhnt die mp3,
Als ob da keine Umwelt sei.

Sie reden wie sie SMS schreiben,
Die Grammatik hat heut viel zu leiden.
Respekt ist aus dem Wortschatz ganz gestrichen,
Bildung ist Einbildung gewichen.

Jetzt zählt, wer das neuste Smartphone hat
Und das hat man nach drei Tagen satt.
Dann wird schon wieder nach Neuem verlangt,
Denn das iPhone ersetzt schon mal den Verstand.

Sind die Eltern nicht vermögend genug,
Geht man halt auf Beutezug.
Das wird auch nicht mehr Klauen genannt,
Sondern ist als Abziehen wohl bekannt.

Es gibt auch nicht mehr den Klassenclown,
Wer anders ist wird stumpf verhauen.
Gewalt ist jetzt die Sprache der Jugend,
Trueness ist in und nicht die Tugend.

Die Erwachsenen geben oft schnell auf,
Lassen dem Verhängnis seinen Lauf.
So werden Lehrlinge zu Herren,
Müssen sich nur genügend sperren.

Da wird fröhlich cybergemobbt,
Jemand für 50 Cent verkloppt,
Die Eltern körperlich angegangen
Man darf sich trotzdem keine fangen.

Die Jugend ist heute nur laut,
Hauptsache das Leben früh versaut.
Ich frage mich bei all der Klage,
Wo sind die schönen Kindheitstage?

Wir spielten mit Puppen und Playmobil,
Vom Leben wussten wir nicht viel.
Die Kinder wissen heut' nicht mehr,
Fühlen sich nur erwachsener.

Wo führt das alles bloß noch hin?
Hat Erziehung denn noch Sinn,
Wenn die Kinder uns erziehen,
Oder sonst ins Chaos fliehen?

Feiern, Trinken bis zum Koma,
Geld dafür gibt es von Oma,
Rauchen gehört sowieso dazu,
Aber Ämter lasst sie bloß in Ruh'!

Sie wollen unabhängig sein,
Doch unser Geld stecken sie ein.
Denn das ermöglicht ihnen ihr Leben,
Sie nehmen alles, ohne zu geben.

(c) Thorsten Trautmann

Münster, 28.01.2011

© Thorsten Trautmann 2012